SC 1919 Merzenich e.V.
SC 1919 Merzenich e.V.

Das 3. Jahrzehnt von 1939 bis 1949

 

Ab Anfang des 2. Weltkrieges konnte der offizielle Spielbetrieb bis Sommer 1943 noch aufrecht erhalten werden. Danach ruhte zwangsweise auch der Sportbetrieb des SCM, da u.a. die meisten aktiven Spieler und Vereinsverantwortlichen Kriegs­dienste leisten mussten, der Sportplatz nicht mehr gepflegt wurde und militärische Bedrohungen aus der Luft immer mehr zunahmen.

Das nachstehende Foto zeigt die Mannschaft, die von 1941 bis 1943 noch an der Meisterschaftsrunde teilnahm.

V. li.: Jakob Clemens, Werner Pingen, Matthias Zoll, Gerhard Kurth, Fritz Fuhs, Josef Oepen, Peter Brendt, Michael Rothkopf, Hans Bläser, Georg Görgen, Barthel Oepen.

Nach Kriegsende (Mai 1945) war unser Heimatdorf teilweise nur noch ein trostlo­ser Trümmerhaufen. Es herrschte kaum Leben in den verlassenen und zerstörten Häusern. Allmählich kehrten Überlebende aus Evakuierung, Vertreibung und Gefangenschaft zurück. Den wenigen Vereinsmitgliedern bot sich eine trau­rige Bilanz: viele Mitglieder und Spieler waren Opfer des grausamen Krieges geworden, einige waren noch in Kriegsgefangenschaft, der Sportplatz verödet, sämtliche schriftlichen Unterlagen und alle Andenken seit dem Gründungsjahr waren vernichtet oder nicht mehr auffindbar. Lediglich ein Kassenbuch vom 1. April 1921 mit Mitgliederverzeichnis und einem Versammlungsprotokoll vom 18. August 1923 konnte gerettet werden. Hierin findet sich u.a. ein erwähnenswerter und interessanter Vermerk zum damaligen Beitragsverständnis: „Als Beitrag wurde festgesetzt was 1 Glas Bier am 1. jeden Monats kostete“.

 

Leider war infolge der Kriegswirren an Aktivitäten oder eine Organisation zum 25-jährigen Bestehen des SCM in diesem Zeitabschnitt nicht zu denken, um so mehr war man nach Kriegsende, als die wenigen Idealisten Ende 1945, Anfang 1946 den Wiederaufbau des SCM sprichwörtlich in die Hände nahmen, auf eine 30-Jahre-Feier ausgerichtet.

Mühevoll und mit bewundernswerter Eigeninitiative und enormem Freizeitauf­wand gelang es diesen Getreuen, die anwesenden Vereinsmitglieder und Idealis­ten zu suchen, zu sammeln und zu erfassen.

In ersten Zusammenkünften kleiner Gruppen von Interessierten wurden diverse Strukturen gemeinsam überlegt und diskutiert, um einen Vorstand zustande zu bringen, der einen Neuaufbau des SCM verfolgte und schließlich auch ermöglichte.

Es waren Wilhelm Otten und Michael Reimer, die schließlich eine erstaunliche Mit­gliederzahl zu einer ersten ordentlichen Mitgliederversammlung mit Vorstands­wahl am 8. Dezember 1946 begeistern konnten. Hier wurde Michael Reimer zum 1. Vorsitzenden gewählt. Wilhelm Otten übernahm den Aufbau der Fußballmann­schaften und war für die ersten Erfolge der unermüdliche Vorbereiter.

Jetzt wurden auch wieder Mitgliederversammlungen, besondere Vereinsereig­nisse sowie Beitrags- und Geldbewegungen dokumentiert.

Nach dem Beitritt des SCM zum Westdeutschen-Fußball-Verband WFV am 15.10.1946 und nach Anerkennungen politischer Verordnungen und Vorschrif­ten der damaligen Britischen Militärregierung musste der Sport-Club auch neu gegründet werden. Die zu beachtenden Auflagen und neuen Richtlinien wurden am 20.12.1946 von den zuständigen Behörden dem Vorstand mitgeteilt.

Danach konnte der „neue Sport-Club 1919 Merzenich“ mit provisorischen Mitteln den Spielbetrieb wieder aufnehmen, die Bildung von Mannschaften angehen, und er erhielt in diesem Zeitraum von den zuständigen Sportgremien die offizielle Zusi­cherung der weiteren Zugehörigkeit zur damaligen 1. Kreisklasse Düren.

Ehemalige Aktiven aus der Vorkriegszeit, die sich zum Teil bereits im neuen Vorstand um die Wiederbelebung des Sportbetriebs bemühten, stellten 1946 kurzentschlossen eine Alte Herren-Truppe zusammen, um im fortgeschrittenen Alter noch mal gegen das runde Leder zu treten.

Werner Mertens und Martin Diening waren in dieser „dürren“ Zeit die Verant­wortlichen, die zu den Auswärtsspielen mit ihrem privaten „3-Rad-Tempo“ und „Pritschenwagen“ für die notwendigen Transporte und eine ausreichende Reise­verpflegung zuständig waren.

Darüber hinaus ermöglichte diese Truppe mit ihren „Beziehungen“ die ersten geselligen Ballveranstaltungen zu Silvester und Fastnacht.

Die Aktivitäten dieser „alten Herren“ lösten damals eine Bewegung aus, die – mit einigen zeitlichen Unterbrechungen – bis heute aus dem Vereinsleben des SCM nicht mehr wegzudenken ist.

V. li. in dunklen Trikots: Josef Clemens, Jakob Bünger, Theo Pütz, Willi Bünger, Werner Mertens, Josef Reimer, Jean Moll, Toni Pohl, Matthias Schramm, Josef Heidbüchel, Leo Jansen.

Mit frischem Elan der Verantwortlichen und toller Unterstützung der neuen fuß­ballbegeisterten Dorfgemeinschaft kam auch äußerst schnell eine 1. Mannschaft zustande, die mit den Spielern Fritz Hamacher, Gerhard Kurth, Matthias Claßen, Friedel Heyne, Josef Kurth, Albert Leibel, Theo Zeyen, Arnold Weidgang, Simon Räuber, Peter Wolkenart und Peter Jonas in der ersten Nachkriegsspielzeit 1945/46 die Gruppenmeisterschaft in der 1. Kreisklasse errang und im nächsten Spieljahr 1946/47 mit der gleichen Mannschaft in dieser Gesamtklasse mit einem 7:2 Sieg beim TuS Langerwehe die Kreismeisterschaft schaffte und damit auch den Aufstieg in die Bezirksklasse Düren-Jülich.

V. li.: Fritz Hamacher, Gerhard Kurth, Matthias Claßen, Friedel Heyne, Josef Kurth, Albert Leibel, Theo Zeyen, Arnold Weidgang, Simon Räuber, Peter Wolkenart, Peter Jonas, Betreuer Wilhelm Hamboch.

Angespornt durch den Höhenflug dieser 1. Mannschaft sammelten sich allmählich spielfreudige, junge Straßenfußballer im Verein, um in einem geordneten Spielbetrieb mit Anleitung und Training „richtig“ Fußball zu spielen. So konnten zunächst eine „Schülermannschaft“ und eine „A-Jugendmannschaft“ zusammengestellt werden.

Schon im Spieljahr 1948/49 schaffte es die neuformierte A-Jugend (s. Foto) im Endspiel mit einem 9:0 Kantersieg über Alemannia Lendersdorf den Titel „Kreis­meister 1949“ zu erringen und spielte beim SV Baesweiler um die Mittelrheinmeisterschaft. Leider verlor man dort etwas unglücklich mit 3:4.

V. li. hinten: Heinz-Josef Kurth, Josef Schumacher, Georg Bendels, Toni Müller, Matthias Spohr, 1. Vors. Michael Reimer.

Mitte: Christian Welch, Willi Hamacher, Heinz Römer

Vorne: Friedel Clemens, Jakob Reimer, Heinz Vaaßen.

Folglich erlebte der Jugendfußball einen noch erfreulicheren Zulauf, der in den beiden v.g. Altersklassen die Anzahl der Spieler erhöhte und auch die Teilnahme an Meisterschaften ermöglichte.

Am 21. Mai 1949 konnte endlich der SCM mit 233 Mitgliedern sein erstes und -nach allen bisherigen Startschwierigkeiten- verdientes Jubiläum mit Sportwoche nach dem 2.Weltkrieg feiern:

30 Jahre Sport-Club 1919

Den damaligen Gegebenheiten angepasst wurde mit erheblichem Aufwand das Fest organisiert und hierzu auch eine Festschrift erarbeitet, die leider wenig umfangreich war (28 Seiten einschl. Werbung). Diese Nachkriegsausgabe ist nur in wenigen Exemplaren erhalten und beschäftigt sich vorwiegend mit dem Grün­dungsgeschehen und dem mühseligen Wiederaufbau des Vereins nach dem 2. Weltkrieg.

In diesem Jubiläumsjahr bildeten den geschäftsführenden und Sport-Vorstand: Werner Mertens, Jakob Bünger, Fritz Fuhs, Josef Wollersheim und Wilhelm Otten.

 

Die 1. Mannschaft im Jubiläumsjahr 1949:

V. li.: Fritz Hamacher, Hans Bläser, Peter Wolkenard, Matthias Claßen, Josef Kurth, Theo Zeyen, Albert Leibel, Robert Giebel, Fritz Fuhs, Jakob Clemens, Gerhard Kurth, Obmann Willi Hamboch.

In den ersten 30 Jahren seit der Vereinsgründung führten den Sport-Club die 1. Vorsitzenden Martin Heidbüchel – Heinrich Klinkenberg – Franz Förster – Matthias Römer – Robert Vorster – Jean Claßen – Josef Heinrichs – Heinrich Ham­boch – Michael Reimer und Werner Mertens.

So sah der Absenderaufdruck auf der Vereinspostkarte 1949 aus!

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